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aktualita LAPSody 2017 – The Bubble24|05|2017 - 27|05|2017
UNIARTS HELSINKY

Our world bubbles, the earth is a bubble. Yet, there is the aesthetic and life-preserving potential of the bubble: it is an equally rich metaphor for isolation and ignorance as it is for nurturance, safety and protection, and even more so for perfection and effervescence. 

Interaction With Landscape

Zwischen 1984 und 1988 entstanden etwa fünfzig große Zeichnungen auf Papier direkt in der Landschaft. „Über der Erde“ ist eine 1,5 x 2,5 m große Zeichnung aus dem Jahre 1986. Sejn legte das Papier auf den Boden, sammelte in der nächsten Umgebung Mineralien, Pflanzen und Steine, um mit ihnen das Papier zu bearbeiten. Da das Papier nur eine dünne Schicht bildete, wurde durch den Druck, den Sejn bei der Einarbeitung der Pigmente ausübte, die Struktur der Unterlage deutlich. Es entstand eine Frottage. Die Form und die Farbe der Zeichnung wurde in einem direkten Vorgang aus der Landschaft und mit den Materialien der Natur gewonnen. Die Zeichnung war ein Abbild der unmittelbaren Umgebung, die der Künstler ausgewählt hatte. Um die Natur festzuhalten, brauchte er keine Umsetzung durch das künstlerische Handwerk mehr, er arbeitete in direkter Weise am Ort. Die Zeichnung gewann ihre Gestalt mit dem zeitlichen Ablauf einzelner physischer Vorgänge des Künstlers.
In der Videoaufnahme „Auf dem Gipfel“ aus dem Jahre 1988 kann man die Entstehung einer solchen Zeichnung verfolgen. Sejn betrat die nebeneinander gelegten Papíerstreifen (etwa 4,5 x 5 m), die über dem Gipfel des Berges Zebín lagen. Zunächst begann er damit, Erde in das Papier einzureiben, dann warf er Steine, die Farbund Rißspuren hinterließen. Mit Schlamm in den Händen schritt er über den Streifen und ließ Wasser tropfen. Dann rieb er mit Pflanzen so lange auf dem Papier, bis die Struktur, die darunter lag, deutlich wurde. Außerdem zündete er Heu an und bewegte es über die Oberfläche. An manchen Stellen entstanden kleinere Löcher, anderswo brannten ganze Stücke ab. Sejn handelte dabei nach inneren Impulsen, abwechselnd schnell, aggressiv, langsam, meditativ, mit dem Einsatz des gesamten Körpers: er ging, wälzte, streckte, verbrannte sich. Während dieses rituellen Aktes kam Sejn abwechselnd mit dem Malmaterial, mit dem Papier, mit sich selbst und mit der Landschaft in engen Kontakt.

Extract from text by Simona Mehnert, Berlin 1995




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